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Multiple Persönlichkeitsstörung/ Dissoziative Identitätsstörung

Multiple Persönlichkeiten? Das klingt erst einmal unheimlich. Da könnte der Gedanke an "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" aufkommen, an Besessene aus dem Mittelalter.

Zwischen den Ausdrücken Multiple Persönlichkeit und Dissoziative Identitätsstörung gibt es keinen Unterschied. Sie beschreiben dasselbe Krankheitsbild. Heute wird der Begriff Multiple Persönlichkeit ersetzt durch Dissoziative Identitätsstörung, da es passender erscheint.

Dissoziation ist der Zustand, in dem man sich, auf die eine oder andere Weise, aus der Realität distanziert, d. h. entfernt oder abgetrennt fühlt. Wie z. B. Tagträume.

"Am einfachsten lässt sich diese Persönlichkeitsstörung, die eigentlich gar keine ist, am Beispiel eines Hochhauses beschreiben", erläutert eine Betroffene. "Auch dort teilen sich mehrere Personen eine Wohnung, andere wohnen allein in einem Apartment, aber alle im gleichen Haus." Mehrere ganz unterschiedliche Personen teilen sich einen Körper. Aber immer nur eine ist gerade "da", das heisst sie agiert im Aussen. Sowohl für die Betroffenen, als auch für das Umfeld ist das sehr anstrengend.

Jedes System ist individuell, weil jedes einen eigenen Aufbau und Geschichte hat. Ein System besteht allerdings immer aus einer "Gastgeberpersönlichkeit" (Host) und den Persönlichkeitsanteilen (Alters). Der Host hat oft die meisten Zeitlücken und wenig Erinnerungen an erlebte Traumata. Die Alters haben meistens eine bestimmte Aufgabe und Funktion im System.

Jede der Innenpersonen hat dazu beigetragen zu überleben, indem sie sich die Erinnerungen und damit verbundenen Gefühle untereinander aufgeteilt haben. Immer gerade soviel, dass diese Person damit weiterleben kann.

Ein Switch (der Wechsel von einer Person zur anderen) vollzieht sich innerhalb von Sekunden/Minuten und man steht einer vollkommen anderen Person gegenüber, die eine andere Stimme hat und sich anders bewegt. Wegen dieser Instabilität stellen Ärzte häufig zuerst die Diagnose Borderline Persönlichkeitsstörung. Der Umgang mit multiplen Persönlichkeiten kann wegen der oben genannten Gründe für Freunde und Angehörige häufig schwierig sein.

Von einer dissoziativen Identitätsstörung kann man sprechen, wenn der Grad der Dissoziation so schwerwiegend ist, dass die betroffene Person in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt, oder der "Leidensdruck" aufgrund spezifischer Symptome gravierend ist. Dazu gehören u. a. (Alltags-) Amnesien, Selbst- und Fremdschädigendes Verhalten.

Jeder Mensch besitzt in unterschiedlichen Ausprägungen die Fähigkeit zu dissoziieren. Vor allem bei Kindern, die schwerwiegenden Traumatas, wie z. B. sexualisierte Gewalt, ausgesetzt waren, können sich die Dissoziationen als Überlebensstrategie zunutze machen. Ist der zugefügte Schmerz für ein Kind existenziell bedrohlich und kann das Kind diesem nicht entkommen, spaltet es einen Teil der Persönlichkeit ab, der sich dann zu einer eigenständigen Person (Alter) entwickeln kann.

Diese Innenperson tritt dann nach "Aussen" anstelle der Kernpersönlichkeit und erlebt somit jede Situation, vor denen die Kernpersönlichkeit geschützt werden soll. Die Kernpersönlichkeit wird währenddessen nach "innen" gedrängt und beschützt.

Viele Betroffene leiden unter Gedächtnislücken, sogenannte Amnesien. Ihnen "fehlt Zeit". Solche "Blackouts" können wenige Stunden, manchmal aber auch Tage, Wochen und Monate dauern. Während dieser Zeit hat eine andere Innenperson die Kontrolle über den Körper übernommen, was die Betroffenen zunächst aber nicht wissen.

Oftmals dauert es Jahre, bis die betroffene Person merkt, dass der Körper mit mehreren voneinander unabhängigen Personen bewohnt wird. Jede dieser Personen hat jeweils einen ganz eigenen Charakter und Persönlichkeit.

Viele Betroffene irren oft Jahre lang erfolglos durch das Gesundheitssystem, ohne dass es ihnen wesentlich besser geht. Sie werden wegen Kopfschmerzen, Unterleibsschmerzen, Magersucht, Drogensucht, Alkoholismus, Selbstverletzungen, Psychosen, Angstneurosen, Depressionen, Zwangsneurosen, Schizophrenie, Borderlinestörung, Suizidversuchen und vielem anderen behandelt, bevor die zugrundeliegende Störung MPS erkannt und therapiert wird.

Bei einem Switch, lassen sich viele körperliche Veränderungen aufzählen, die den Wechsel von einer Persönlichkeit zur anderen unter Umständen begleiteten. Da war nicht nur die Mimik, der Muskeltonus, die Art zu lächeln, die Gesten, sie hatten auch unterschiedlichen Körpergeruch bemerkt, zum Beispiel, wenn ein halbstarker Jugendlicher auftauchte.

Mehr noch: Wespenstiche verschwanden von einer Sekunde auf die andere, Erdbeerallergien, Heuschnupfen, Erkältungen tauchten genauso schnell auf wie sie plötzlich nicht mehr vorhanden sein konnten. Brillenstärken wechselten von kurz- bis weitsichtig. Sie hatte gesehen, dass ein und dieselbe Frau, der zweimal an einem Tag Blut abgenommen wurde, ganz unterschiedliche Blutbilder haben konnte - von unterschiedlichem Puls und Blutdruck ganz abgesehen. (Auszug aus dem Buch: "Vater unser in der Hölle" von Ulla Fröhling)

Die meisten Betroffenen trauen sich nicht mit ihrem Arzt über ihre Amnesien oder andere merkwürdige Begebenheiten zu sprechen, wie z. B. Zettel mit fremden Handschriften in den eigenen Unterlagen oder dem Besitz von fremden Gegenständen. Die Angst davor, für verrückt gehalten zu werden ist zu groß. Häufig passiert auch folgendes: Man erzählt einem durchschnittlichen Psychiater von Stimmen im Kopf und bekommt daraufhin außer die Diagnose "Schizophrenie" noch Medikamente. Die Dosen dieser Medikamente werden meist immer höher, weil diese Stimmen der anderen Persönlichkeiten nicht auf Medikamente ansprechen.

Definitionen laut ICD-10 (ICD-10 = Krankheits"index" der WHO, Version 10)

Die ICD-10 ordnet die multiple Persönlichkeit bei den neurotischen Störungen den dissoziativen Störungen zu. Die allgemeinen Kennzeichen dissoziativer Störungen sind der teilweise oder völlige Verlust der normalen Integration des Bewusstseins, der sich auf Erinnerungen an die Vergangenheit, Identitätsbewusstsein und unmittelbare Empfindungen sowie die Kontrolle von Körperbewegungen bezieht, ohne dass dieses durch eine körperliche Erkrankung zu erklären wäre. Das Hauptkriterium für MPS (multiple Persönlichkeit) ist das Vorhandensein von zwei oder mehr verschiedenen Persönlichkeiten in einem Individuum, mit eigenen Erinnerungen, Verhaltensweisen und Vorlieben, von denen zu einem Zeitpunkt jeweils nur eine nachweisbar ist.

Klinisch-diagnostische Leitlinien

Diese Störung ist selten, und es wird kontrovers diskutiert, in welchem Ausmaß sie iatrogen oder kulturspezifisch ist. Das grundlegende Merkmal ist das offensichtliche Vorhandensein von zwei oder mehr verschiedenen Persönlichkeiten bei einem Individuum.

Dabei ist zu einem Zeitpunkt jeweils nur eine sichtbar. Jede Persönlichkeit ist vollständig, mit ihren eigenen Erinnerungen, Verhaltensweisen und Vorlieben. Diese können in deutlichem Kontrast zu der prämorbiden Persönlichkeit stehen. Bei der häufigsten Form mit zwei Persönlichkeiten ist meist eine von beiden dominant, keine hat Zugang zu den Erinnerungen der anderen, und die eine ist sich der Existenz der anderen fast niemals bewusst.

Der Wechsel von der einen Persönlichkeit zur anderen vollzieht sich beim ersten Mal gewöhnlich plötzlich und ist eng mit traumatischen Erlebnissen verbunden. Spätere Wechsel sind oft begrenzt auf dramatische oder belastende Ereignisse oder treten in Therapiesitzungen auf, in denen der Therapeut Hypnose oder Techniken zur Entspannung oder zum Abreagieren anwendet.

Ursachen

Die Ursachen für diese Störung sind todesnahe Erfahrungen, die durch Extremsituationen, wie z. B. sexueller, ritueller, physischer und psychischer Missbrauch, hervorgerufen werden können. Die Vorraussetzung zum "krankhaften" dissoziieren ist, dass diese todesnahen Erfahrungen in den ersten Lebensjahren gemacht werden müssen.

Damit sich aus Amnesien eine Aufspaltung in mehrere Identitäten entwickeln kann, muss die belastende Traumatisierung regelmäßig und über einen langen Zeitraum erfolgen. Je jünger und hilfloser die Opfer sind und je grausamer die Gewalteinwirkung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Betroffenen in einen anderen Bewusstseinszustand aus der Situation flüchten.

Je öfter solche Situationen auftauchen und je näher das Kind dem/der TäterInnen steht, weil das kindliche Vertrauen stark erschüttert wird, desto mehr spaltet sich das Kind auf. Dies geschieht, um auf Dauer mit der Belastung überleben zu können.

Allgemein gesagt sind Multis sehr früh in ihrem Leben extremer Gewalt ausgesetzt. Meistens handelt es sich um schweren sexuellen Missbrauch verbunden mit starker körperlicher Gewalt und Folter bis zu todesnahen Erfahrungen, denn nur dann kann eine Spaltung geschehen. Zudem muss das Kind noch sehr jung sein, das eigene Ich darf noch nicht gefestigt sein. Nur so kann eine multiple Persönlichkeit entstehen.


Forschungskriterien

A. Zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeiten innerhalb eines Individuums, von denen zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils nur eine nachweisbar ist.

B. Jede Persönlichkeit hat ihr eigenes Gedächtnis, ihre eigenen Vorlieben und Verhaltensweisen und übernimmt zu einer bestimmten Zeit, auch wiederholt, die volle Kontrolle über das Verhalten der Betroffenen.

C. Unfähigkeit, wichtige persönliche Informationen zu erinnern, was für eine einfache Vergesslichkeit zu ausgeprägt ist.

D. Nicht bedingt durch eine organische psychische Störung (F00-F09) (z.B. eine Epilepsie) oder durch psychotrope Substanzen (F10-F19) (z.B. Intoxikation oder Entzugssyndrom).

Therapie

Die Nachfolgende Zusammenfassung ist angelehnt an das Buch "Multiple Persönlichkeiten" von Michaela Huber.


Aufbau einer therapeutischen Beziehung und Stabilisierung

Diese Phase der Therapie unterscheidet sich eigentlich kaum von der Therapie mit nicht- Multiplen. Die primären Ziele liegen darin, ein Vertrauensverhältnis zu der Therapeutin aufzubauen, sich gegenseitig kennenzulernen und die Rahmenbedingungen der Therapie festzulegen.

Die Häufigkeit der Sitzungen sollte bei Multiplen zwei bis drei Therapiestunden pro Woche betragen. Des Weiteren werden sogenannte Therapieverträge zwischen den einzelnen Persönlichkeiten und der Therapeutin geschlossen, die verhindern sollen, dass entweder Angriffe auf Personen innerhalb des Systems stattfinden, oder aber auch die Therapeutin durch die Klientin angegriffen wird.

Ein weiterer Punkt in dieser ersten Therapiephase ist die Klärung und Stabilisierung der Lebenssituation. Viele KlientInnen stecken zum Beginn der Therapie noch in der Gewaltsituation, deren Beendigung nach Möglichkeit erreicht werden sollte.


Förderung der Inneren Kommunikation

In dieser Phase geht es darum, dass sich die einzelnen Personen im Inneren besser kennenlernen, häufig dem Host erst vorgestellt werden und die Kommunikation und Co-Bewusstheit gefördert wird.

Zu diesem Zweck wird eine sogenannte innere Landkarte erstellt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Sorge für Kinder und schwächere Innenpersonen zu organisieren und besonders für sie, aber auch für alle anderen einen "sicheren Ort" zu finden, der einen Rückzug in zu belastenden Situationen, die in der Folgezeit der Therapie durchaus auftreten können, zu ermöglichen.

Auch das Erstellen eines sogenannten Überlebensbriefes kann in dieser Therapiephase begonnen werden.


Deprogrammierung

Eine kurze Erklärung zu Beginn: Ein Programm ist sozusagen als eine Art Reflex zu verstehen. Im Gegensatz zu natürlichen Reflexen, die jeder Mensch hat wurden diese Reflexe von außen "erzeugt", d.h. den Personen wurde, meist unter Anwendung massivster Gewalt, eingebläut, auf gewisse Reize in einer bestimmten Art und Weise zu reagieren.

Solche Reize können zum Beispiel bestimmte Daten, Geräusche, Bilder,... sein. Die "antrainierten" Reaktionen darauf sind vielfältig, zu den häufigsten gehören das Erscheinen an einem bestimmten Ort, Selbstverletzungen, bis hin zur Selbstzerstörung, Isolation von hilfreichen Kontakten,....

Bevor eine Bearbeitung traumatischer Erlebnisse beginnen kann müssen diese Programme erkannt und "deaktiviert" werden, da sie sonst das erfolgreiche Fortschreiten der Therapie gefährden können.


Traumabearbeitung

In dieser zentralen Phase der Therapie werden die traumatischen Erlebnisse aus der Vergangenheit langsam und in für die Multiple erträglichen Mengen an die Oberfläche geholt und bearbeitet, so dass am Ende eine Bewältigung und Verarbeitung der Traumata steht. Dies geschieht in vielen Fällen durch den unterstützenden Einsatz von tiefen Entspannung (Trance, Hypnose).


Integration und nachintegrative Arbeit

Dieser Therapieschritt wird von vielen Multiplen zunächst abgelehnt und findet häufig nach einer längeren Pause, oder auch gar nicht statt. Unter Integration versteht man, die einzelnen Teile wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen. Verständlicherweise macht dies vielen Multiplen Angst, da sich das "Gespalten- sein" jahrelang als zuverlässige Überlebensstrategie erwiesen hat und diese nicht von einem auf den anderen Tag aufgegeben werden soll.

Als oberste Priorität gilt daher das co- Bewusstsein zwischen den Personen aufzubauen und zu fördern, wo es nur geht und daran zu arbeiten, die Wechsel zwischen den Personen kontrollieren zu können. Manche Personen integrieren sich auch ganz von selbst, wenn sie im System nicht mehr benötigt werden.

Wenn sich das System zur Integration entschließt, werden langsam nach und nach alle abgespaltenen Teile in eine Person, meistens die Gastgeberin, integriert. In der Folgezeit gilt es dann auch darauf zu achten, dass die Integration "stabil" ist, d. h. nicht bei der nächsten Stresssituation das ganze System wieder in seine Einzelteile "zerfällt".

Die Therapie einer Multiplen Persönlichkeitsstörung ist schwierig und langwierig. Das ist kein Wunder: Die Identität der Person ist schon vor vielen Jahrzehnten zerstört worden. Mit der Aufspaltung der Person in viele Identitäten ging auch das Vertrauen der Einzelnen in ein Gegenüber verloren.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Therapie mit Multiplen von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. "Sie suchen sich ihre BeraterInnen, beziehungsweise TherapeutInnen sehr sorgfältig aus", schreibt Michaela Huber (*). "Bevor eine multiple Persönlichkeit jemandem vertraut und sich ihr anvertraut (...) (und) ein derart großes Risiko eingeht, für verrückt erklärt und womöglich zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, schaut sie sehr genau hin, wen sie da vor sich hat."




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